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Seine Träne bleibt

„Als Tränentattoo (umgangssprachlich auch Knastträne) bezeichnet man eine Tätowierung in Form einer Träne, zumeist unter dem Auge gestochen. Es steht unter anderem in Verbindung mit kriminellen Aktivitäten. Seine genaue Bedeutung ist jedoch umstritten“, steht es in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia. Auch Kai Uwe hat sie, die so genannte „Knastträne“. Und das, obwohl er mit Knast so wirklich gar nichts am Hut hat. Er ist von oben bis unten tätowiert, auch andere Tattoos zeichnen sein Gesicht. Willkommen im 21. Jahrhundert. Ungewöhnlich ist das schon längst nicht mehr. Die permanente Körperbemalung als neue Ästhetik. Und trotzdem hat der Tätowierer regelmäßig mit Vorurteilen zu kämpfen. „Ich wurde deswegen schon oft auf der Straße angesprochen“, erzählt der 27-Jährige dem „Organic Lifestyle Magazin“. „Dann kommt die klassischen Frage: ‚Warst du im Gefängnis?‘ Das passiert relativ oft.“ Wie man auf so viel Ignoranz reagiert? Mit Humor: „Ich antworte meistens: ‚Ja.‘ Ich sage das aber so, dass die schon merken, dass es nur Spaß ist.“ Eine Lebenseinstellung? Eine Rebellion? Vielleicht sollte man aufhören, so viel in Knasttränen und Co. hinein zu interpretieren. Schließlich sind wir die Generation Y, Hedonisten, machen, was wir wollen. „Ich habe Bock drauf und finde es schön“, sagt Kai Uwe. „Ich fand das schon immer interessant, einfach ein No-Go zu machen. Dadurch, dass ich es mir als Tätowierer erlauben kann, ist es letztendlich egal, wie ich rumlaufe. Natürlich werde ich trotzdem noch von der Seite schief angeschaut. Es wird nicht so akzeptiert, wie viele glauben.“

Alles fing an mit einem Logo der MTV-Sendung „Jackass“, als Kai Uwe 18 Jahre alt war. „Damals war ich ein Fan und wollte ein Tattoo davon haben.“ Neun Jahre später hat der Dresdner den Überblick über seine Tattoos verloren. Wie viele es sind? „Keine Ahnung.“ Schmetterling, Kreuz, Frauenköpfe und Schriftzüge. Nur ein kleiner Ausschnitt seiner Körperkunst.
Jede Schale hat einen Kern. Hinter dem Körperkult, der Fassade, steckt Kais Leidenschaft zur Kunst. „Ich würde es nicht als Kunst, sondern als Handwerk bezeichnen“, sagt er bescheiden. Schon von klein auf zeichnete und malte er Bilder. Anfangs den Klassiker: Haus, Mama, Papa. Heute sind es traditionelle Zeichnungen: Anker, Schwalbe, Steuerrad. Kai nennt es „Seefahrer-Klischees“. Für die ist er bekannt, das wissen auch seine Kunden. Und trotzdem verpasste er schon die unterschiedlichsten Tattoos. Mal außergewöhnlich, mal schlicht. „Ich habe mal einen Toaster über einen Hintern tätowiert, aus dem keine Toasts, sondern Delphine kamen.“ Aber es gibt auch No-Gos: „Alles, was in eine komische politische Richtung geht, verneine ich komplett. Und Sachen, die nicht schön aussehen. Ich berate die Leute so weit, dass man einen Kompromiss eingeht, der für beide Seiten vertretbar ist.“ Schließlich ist das Tattoo für immer. Permanent. Irgendwie beängstigend, oder? „Die Verantwortung ist so groß“, sagt er. „Man muss im Kopf so weit sein, dass man erkennt, dass man den Körper eines anderen Menschen verändert. Das bleibt für immer da. Mit diesem Gedanken klar zu werden, war das Schwerste für mich.“ Irgendwie sympathisch.
Fotos: Kai Uwe

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